todesanzeigenleser hatte ich mir bisher eher grau vorgestellt. dünn und intellektuell. außerdem dachte ich, nur ich mache das. verwandtschaftsgrade zwischen verstorbenen und anzeigenden eruieren. leises gruseln verspüren, wenn wieder nur menschen aus demselben jahrgang dahingeschieden sind. momentan aktuell die mittleren bis späten dreißiger. und für fortgeschrittene: die qualität der beziehung aus der wahl der poesie rückzuschließen (rilke kann schließlich jeder). die süddeutsche zeitung liefert da allerhand material. vorsortiert, da recht teuer, die großen. als mittelding die sterbetafel mit der angabe des bestattungsortes, name, alter, beruf.
die größte überraschung aber war gestern, dass nicht nur ich mir über todesanzeigen gedanken mache, sondern auch bosch. auf boschblog.de. während sich dort mehr mit den berufen beschäftigt wurde, lässt mir hier das alter keine ruhe. seit dem ersten abonnentinnentag vergleiche ich die sterbedaten, das lebensalter und das geschlecht miteinander und nach knapp sechs jahren komme ich zu dem schluss, dass eine gute ausbildung und männlich sein unweigerlich dazu führt, mit weniger als 75 jahren zu sterben. frauen hingegen werden gerne mal 100 und älter. und nur in den allerseltensten fällen hatten sie einen beruf.
die allertraurigste rubrik gibt es beinahe täglich in form eines kleinen kästchens: drei bis vier namen. die stadt bittet darum sich zu melden, wenn man einen davon gekannt hat. das ist allerdings kein service, um bekannte vom ableben ihres freundes in kenntnis zu setzen, es geht um die bestattungskosten. so profan kann sterben auch sein. und garantiert ohne rilke.
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“Das mit dem Alter” habe ich hinter mir gelassen. Es führte dazu, irgendwann im Kopf Statistiken zu erstellen und die eigene Lebenserwartung hochzurechnen. Das war, als ich am elterlichen Frühstückstisch die heimatliche Lokalzeitung konsumierte, in der keine Berufsbezeichnungen angegeben waren. Die SZ war schließlich die Rettung, denn Kopfrechnen war mir am Frühstückstisch irgendwann doch zu mühsam. Unterhaltsam indes ist die Todesanzeigensammlung von Dr. Sprang: http://todesanzeigensammlung.de/ – besonders Adel und Lyriker sorgen hier für Heiterkeit.
herrlich! dr.spang. herrlich. selten so sehr gelacht. danke. bin ja sehr auf das buch gespannt.
ja, das hochrechnen kann einen sehr sehr beschäftigen…