Avocadocreme

16. November 2009
By Frau Stricktier

Noch kurz das vergessene Vorwort hinterhergeschoben: Susi hat auf texterella.de eine Blogparade zum Thema Schönheitstipps eröffnet. Niemand kennt sich mit Schönheitstipps schlechter aus als ich. Daher fühlte ich mich natürlich auf der Stelle berufen, diesen meinen Beitrag zu verfassen:

Vor Jahren liebte ich einen schönen schönen Mann. Er lebte zusammen mit zwei anderen schönen Männern in einem kleinen Häuselein an einem kleinen Fluss. Der eine der anderen Männer achtete hingebungsvoll auf sein Äußeres. Er brachte von seinen Weltreisen nicht nur die unglaublichsten Gewürze mit, sondern stets auch die neuesten Hautpflegeprodukte aus den jeweiligen Hotels und das Geheimwissen der dortigen Bevölkerung. Der andere andere Mann ließ an seine Haut allerhöchstens Wasser. Und vielleicht die handgeschliffene Klinge seines Rasiermessers.

Alle drei Herren zusammen waren bekannt im ganzen Land für ihre herrlichen Sonntagsfrühstücke, ihre wunderbaren vegetarischen Gerichte, die Vollwertküche, die damals noch unfassbar geheimnisvolle Zubereitung von Dal. Fleisch wurde verächtlich “Lappen” genannt und wenn überhaupt, dann außer Haus verzehrt.  Wir schrieben die frühen Neunziger Jahre in der süddeutschen Provinz. Avocado mit Olivenöl, Zitronensaft und Pfeffer war da ganz groß. (Damals musste ich, die ich nahezu ausschließlich Döner und Fertigpizza zu mir nahm, mir öfter die Frage gefallen lassen, ob ich das liebevoll zubereitete Abendessen denn überhaupt würde verdauen können?)

Eines Morgens, es war ein Sonntag und mein erster in diesem Haus, standen für uns drei Gast-Damen dampfende kleine Espressi auf dem Tisch, ebenso frischeste Croissants, herrliche weiche Eier und selbstredend handverlesener FirstFlushDarjeeling in der Designerkanne von Dingens. Dazu appettitlichster Biokäseaufschnitt, Ziegenkäse, Peccorino und wunderbarste vegetarische Aufstriche wie Olivenpaste, ApfelZwiebelStreich und dergleichen mehr. Müsliauswahl und  Rohkostplatte nicht vergessen.

Ich enterte den selbstrestaurierten Holztisch unter den prüfenden Blicken der anderen beiden Freundinnen des Hauses mit maximalem Selbstbewusstsein, schob ignorant die taz beiseite, kippte maximalsouverän den Espresso ohne den bereitgestellten Milchschaum hinunter, schlürfte unachtsam den viel zu heißen Tee und kühlte die verbrannte Kehle schließlich mit einem eilig in Avocadocreme getunkten Vollkorncroissant. Den Ziegenkäse rührte ich lieber nicht an. Ich blieb bei dieser Creme, fraß mich nebenbei durch bis zur Rohkostplatte. Granatapfelmüsli war mir dann aber doch zu heiß.

Alles ging gut, bis zu dem Moment, als der eine andere Mann im flauschigen Bademantel, ganz frisch geduscht aus dam Bad kam, sich an den Tisch setzte und mit Blick auf die von mir soeben geleerte Schüssel  irritiert fragte, wo denn seine Avocadogesichtsmaske abgeblieben sei?

Tags: ,

4 Gedanken zu “ Avocadocreme ”

  1. Susi on 16. November 2009 at 15:00

    Dafür kenne ich mich eigentlich nicht mit Mode aus – passt also! :-D

  2. flower ma on 18. November 2009 at 15:23

    Ich kannte mal jemand, die lecker Thunfisch aß.Es war nicht Thunfisch sondern Whiskas in der Tupperschüssel. Da ist Avocadocreme doch super dagegen!

  3. Andreea on 19. November 2009 at 12:52

    Hihihihahahaha… Das könnte mir nie passieren, die einzige Maske die ich habe/mache ist aus Heilerde *knirsch*

  4. Backdesaster | DENKDING on 29. November 2009 at 21:57

    [...] Ich sollte die Finger vom Backen lassen. Denn was ich noch weniger kann als unter die Leute gehen oder mich mit Kosmetik auskennen ist, mich an Regeln zu halten. Und Regeln, genau, sind beim Backen die entscheidende Determinante [...]

mitdenken?

Comments links could be nofollow free.