Blick zurück nach vorn
edit 24.01., anlässlich der blogartikelserie zum thema “twitter ist…”. (in den meisten fällen grad doof.) auch dieser artikel hier wurde in dem zusammenhang verlinkt, da will ich aber gleich zu sagen, das geht an meiner intention für den text vorbei. mir gehts nämlich nicht darum, die 187. erklärung zu liefern für was twitter ist. ich hab mein persönliches jahr rückblickend betrachtet. twitter spielt dabei eine rolle. mehr aber nicht.
Geklaute Überschrift.
Ich könnte es auch Jahresrückblick nennen, denn das habe ich eigentlich vor.
2009 war für mich ein Jahr voller Besonderheiten. Voller Unvorhersehbarkeiten (okay, das ist immer so, es sei denn man hat ein Kristallkugelinterpretationsdiplom 5.Grades). Das Unvorhersehbare bei mir war das Digitale.
Seit Januar 2009 habe ich einen Twitteraccount und seit Mai ungefähr ein Blog. Obwohl ich die letzten Jahre meines Dauerberufslebens, also dem Leben vor den Kindern, ständig mit digitalen Medien zu tun hatte, hatte ich nie erwogen, selbst “ins Internet reinzuschreiben”. Erst durch die Vermarktung von stricktier.de kam twitter, und durch twitter dann das Blog.
Was meine ich mit “twitter”? Ich meine die Menschen dort. Die vielen vielen Menschen, die so ähnlich ticken wie ich oder ganz anders. Mit denen ich einen Abend lang PointenPingPong veranstalten kann und diejenigen, die ganz ernsthaft per dm oder mail oder skype oder sogar leibhaftig in mein Leben treten.
Mit der Leibhaftigkeit hab ichs ja sonst eher nicht so. Ich bin gerne für mich und scheue auch den Realkontakt zu realen Menschen. Meistens ist die Postbotin tatsächlich über Tage der einzige Mensch, dem ich die Türe öffne, ganz ohne Witz jetzt. Twitter und das Blog hier sind für mich Möglichkeiten zur Teilhabe, weil es mir aus ganz persönlichen aber auch aus infrastrukturellen Gründen nicht möglich ist, einfach in eine Kneipe hineinzuspazieren, auf den Tresen zu klettern und meine Meinung zu verkünden. Ich fürchte allerdings auch, dass ich das nur einmal machen kann und mich anschließend in weißer Umgebung wiederfände. Ich bezweifle außerdem, dass es im Real Life in meiner erreichbaren Umgebung tatsächlich einen so großen Querschnitt an Menschen gäbe, der mich so beglücken kann.
Eine Entschuldigung
Ich war also begeistert, enthusiastisch. Ich sah das als “mein Twitter” an.
Sicher auch daher meine Entrüstung als ich im Tagesspiegel damals den Artikel von Else Buschheuer las, der mir in meinen Augen mein Twitter und meine Neuentdeckung und meinen speziellen Zugang wegzunehmen schien. Meine Reaktion auf den Artikel habe ich verbloggt und öffentlich gemacht. Und daher geht auch meine ganz offizielle Entschuldigung öffentlich an Dich, Else, wieder über das Blog hier. Deine Reaktion damals, Dein Artikel dazu und unser Kontakt anschließend hat mich lange beschäftigt und wirkt noch immer nach. Dank an Dich dafür.
Ein Resümee
Kann man das mit ü schreiben? Vielleicht. Ich machs einfach. Ein Blogresümee. Eine spezielle Erfahrung ist ja, dass das, was ich hier so schreibe, tatsächlich gelesen wird. Ich könnte es auch in Word reinschreiben. Tue ich aber nicht. Denn das Gelesenwerden ist Teil des Ansporns, Erlebnisse oder Gedanken in Worte zu fassen, die über das “Heute habe ich Bratkartoffeln gekocht” hinausgehen. Ich blogge nicht für Applaus. Sondern weil mich das Veröffentlichen zwingt, eine Form zu finden. Ähnlich wie die 140 auf twitter einen Rahmen bilden.
Die Frage nach der Wahrheit hinter all dem kam in verschiedener Form zum Tragen. Ist alles, was ich hier schreibe, wahr? Uneingeschränkt: Ja. (Es sind Ausschnitte. Notwendigerweise. Oder wolltet Ihr auch das ganze ANDERE wissen? Das meiste davon steht ja eh zwischen den Zeilen). Ich werde für 2010 bewusst noch mehr Themen und Personen ausklammern aus meinen Berichten. Möglicherweise gibt es dann doch noch mehr Kochrezepte und Bastelanleitungen. Ein bisschen umgebaut habe ich ja schon.
Grenzen erkennen
Offline war es DAS Thema des Jahres für mich.
Grenzen erkennen.
Belastungsgrenzen in meinem Fall.
Weg von den Lebensdrehbüchern.
Leider ist das ja mein Beruf und mein vielleicht einziges Talent – das Geschichtenerzählen.
Durchs Netz und twitter (ja, schon wieder) habe ich viele Menschen kennengelernt mit ähnlichen Brüchen im Leben wie bei mir, mit ähnlichen Spuren die das hinterlassen hat. Deren Umgang mit Entwurzelung und Identitätsfragen, ihre oftmals unfreiwillige Konfrontationen mit Neuanfängen (damit meine ich nicht mal eben einen Umzug in die neue Stadt wegen Studium), ihre Krisen, ihre Kraft, Kreativität und Ehrlichkeit mit dem Scheitern – das hat mir viele neue Wege und Möglichkeiten gezeigt. Dafür will ich mich bei Euch allen bedanken, auch bei denen, die nichts davon wissen können, dass ich mitlese und mitfühle. (Ein ganz ganz besonderer Dank geht an DICH, aber das weißt Du ja und ich denke, das bleibt zwischen uns).
Eine von vielen
Vielleicht die erleichterndste Erkenntnis. Einfach nur eine von vielen zu sein. Mehr nicht.
Ein wundervolles 2010 für Euch alle,
ich umarme Euch
wünsche Euch allen das Beste und Schönste!
Bis bald,
Eure Frau Stricktier
Mein liebstes Stricktierchen,
lass Dich mal knutschen. Ich sehe das meiste genauso wie Du, auch wenn meine Umgebungsbedingungen ganz anders sind. Ich empfinde Dich in meiner Timeline als große menschliche Bereicherung, Deine Blogeinträge als großes Kino und unseren Immer-mal-wieder-DM-Kontakt als nicht nur virtuell. Bitte bleib unbedingt genau so, wie Du bist!
Deine Textzicke
Liebe Pia,
ich freue mich auf die Bastelanleitungen 2010 und den einen oder anderen Kühlschranktaliban. Du hast eine ganz feine Art.
Liebste Grüße,
Dein Fitness-Oli
Liebe Frau Stricktier,
vielen Dank für diesen wunderbaren Blogeintrag.
Ich habe twitter für mich auch erst Mitte des Jahres entdeckt und bin durch die Stadien 1.”wer ist barbie2967 und warum hat sie ein männliches Genital vorm Mund in ihrem Avatar?” über 2.”warum followt mir keiner, wenn ich über das Wetter in Ostfriesland schreibe?” jetzt derzeit in 3.”Eigentlich total prima und herzerwärmende Menschen hier.” übergegangen.
Zu twitter bin ich übrigens über den besagten tagesspiegel-Artikel von Else Buschheuer gekommen, nachdem ich ihre Leipzig Tagebücher verschlungen hatte! So klein ist die Welt…
Und neben meiner manchmal mir doch sehr verquer und gestört erscheindenden kleinen Welt (beruflich und privat) habe ich einen Mikrokosmos entdeckt, in dem lauter wundervolle Menschen herumzwitschern, mit denen man sich ganz formidabel streiten, gemeinsam totlachen oder einander die Regelwerke von DSA erklären kann! Dies hat mir persönlich über Krisenzeiten (und das Jahr 2009 war bei mir eine einzige, riesige und hässlich quakende Krisenzeit)sehr hinweggeholfen, und wenn es nur ein irrwitziger Dialog mit Dir oder Schlenzalot vorm Einschlafen ist, der einem ein Lachen in die Augen treibt.
Das Real Life sollte manchmal mehr twittern.
Und jetzt habe ich vor lauter Rührung die Unterschrift vergessen…
Also: Guten Rutsch und auf mehr neue, geistreiche und stimmungsvolle Blogs/Tweets in 2010.
Dein Muermel
Danke für diese schöne Silvestereinstimmung! Umarmung 2.0 nehme ich gerne an und gebe ich zurück.
[...] gerade mit viel Zeit in einer Skihütte in Österreich sitze. Außerdem animierte mich ein schöner Artikel der von mir sehr geschätzten Frau @stricktier dazu, endlich loszuwerden, was mich an Twitter so [...]
Liebe Pia,
jetzt erst gelesen und trotzdem wundervoll gefunden. Vielen Dank für die schönen Worte.
Ich umarme zurück und wünsche Dir und Deiner Familie ein 2010 wie Ihr es Euch nicht schöner vorstellen könnt.
Judith
[...] Stricktier, 30. 12.2009: Blick zurück nach vorn [...]